ACE mit Mitgliederzuwachs, wie viele kommen vom ADAC?

Laut der Pressemitteilung vom 04. März 2014 kann der ACE einen regen Zuwachs bei den Mitgliederzahlen verzeichnen. Natürlich spricht der Auto Club Europa davon, viele neue Kunden vom ADAC zu bekommen. Doch stimmt die Rechnung überhaupt?In der ACE Pressemitteilung wird die Zahl von 8.000 neuen Mitgliedern „bis Februar“ genannt. Wobei sich aus dem Rest der Mitteilung nicht ergibt, ob der Zeitraum seit Beginn des ADAC-Skandals gemeint ist (Mitte Januar) oder seit Jahresbeginn. Immerhin betragen die Neuanmeldungen „seit Mitte Januar jede Woche deutlich mehr als 1.000“ – klingt erstmal viel.
Doch nimmt man sich die andere genannte Zahl, nämlich 45.000 Anmeldungen im Jahr 2013, unter die Lupe wird alles viel konfuser. Das wären dann im Schnitt 865 pro Woche. Somit könnte im schlimmsten Fall der wirkliche ADAC-Zuwachs bei nur 135 pro Woche liegen. Wenn wir die angegebene „30% Steigerung zum Vorjahr“ einbeziehen, sind wohl saisonale Schwankungen ein Grund.
Schlussendlich lassen sich die Zahlen und Angaben nur bedingt vergleichen. Auch wenn man dem Großteil der 1.000 Neukunden des ACE unterstellt, vorher beim ADAC unter Vertrag gewesen zu sein, ist eines klar: eine „deutliche“ Steigerung sieht anders aus, vor allem vor dem Hintergrund anderer Berichte. Dafür müssen uns ein größeres Bild der Sachlage machen und die anderen Medien betrachten. Wir gehen zum größten Nachrichtenportal in Deutschland.

ADAC – Mitgliederschwund laut Spiegel Online viel größer

Denn in diesem Beitrag steht eine Zahl von 186.000 zusätzlichen Kündigungen seit Anfang des Jahres. Natürlich muss der Spiegel die reißerische Überschrift mit 286.000 Kündigungen relativieren, nämlich dass im gleichen Zeitraum 2013 immerhin 100.000 Mitglieder aus dem ADAC ausgetreten sind. Also liegt die Differenz bei „nur“ 186.000. Dazu passend wären die Neuanmeldungen im Vergleich zum Vorjahr um 30.000 geschrumpft – von 130.000 in 2013 auf 100.000 in 2014.
Das bedeutet unterm Strich, dass dem ADAC rechnerisch (Kündigungen minus Neuanmeldungen + Differenz der Neuanmeldungen zum Vorjahr) rund 216.000 Kunden fehlen. Bei knapp 19 Millionen Mitgliedern eigentlich immer noch recht wenig. Obgleich noch rund 26.000 Kündigungen unbearbeitet seien, wird sich prozentual nicht viel ändern. Vielleicht auch, weil der Skandal am Ende wenig mit den Pannenhelfern vor Ort zu tun hat. Auch wenn man alle 286.000 Kündigungen rechnet (also ohne gleichzeitig neue Kunden) kommt man auf 1,5% der Mitglieder.
Eine Kündigungswelle sieht anders aus, aber wo gehen denn die ganzen ehemaligen ADAC-Mitglieder hin?

ACE nur mit kleinem Teil der ehemaligen ADAC-Kunden?

Vergleicht man beide Mitteilungen, muss man kein Rechenkünstler sein um zu sehen, dass wohl bei weitem nicht alle zum ACE wechseln. Nehmen wir mal an, die 8.000 neuen ACE Mitglieder sind zusätzlich zu normalen Schwankungen und ausschließlich vom ADAC-Skandal motiviert, wären das weniger als 3% aller ausgetretenen ADAC-Kunden (286.000). Was machen die restlichen 97%? Keinen Autoclub mehr? Zu anderen Anbietern wechseln?
Als ACE sollte man sich schon Gedanken machen, ob man als dritttgrößter Autoclub in Deutschland mit 3% Marktanteil bei den ausgetretenen ADAC-Mitgliedern leben kann. Auch wenn 8.000 zusätzliche Kunden mit Sicherheit eine Freude für den ACE sind. Doch wie oben geschrieben geht aus der ACE-Mitteilung nicht mal hervor, ob die 8.000 Neukunden wirklich alle alle vom ADAC kommen; in Folge liegt der tatsächlich gewonnene Anteil an den ADAC-Kündigungen noch darunter. Und das trotz zusätzlicher Wechselprämien, mit denen der ACE zeitweise wirbt.

Fazit

Der ADAC verliert in kurzer Zeit weniger als 1% seiner Mitglieder (bereinigt). In absoluten Zahlen schon recht viel, wird es wohl erst ein Problem, wenn sich dieser Trend langfristig fortsetzt.
Zur gleichen Zeit gewinnt der ACE (als dritttgrößter Autoclub in Deutschland und damit härtester Konkurrent) maximal 3% der ausgetretenen ADAC-Mitglieder, wenn nicht sogar viel weniger.

Beide Tatsachen werden jedenfalls groß aufgemacht um Aufmerksamkeit zu bekommen. Dass der ADAC durch den Skandal Mitglieder verlieren würde, war eigentlich jedem klar. Bei so vielen Mitgliedern reichen auch für den ADAC vergleichsweise kleine Anteile (um die 1,5%) um mit großen Zahlen (286.000) Schlagzeilen machen zu können. Am Ende ist die Tragweite des Skandals noch lange nicht abzusehen. Doch allein verglichen mit den Zahlen des ACE bekommt man das Gefühl, das Vertrauen in Autoclubs an sich ist kleiner. Doch vielleicht kommen die anderen Clubs ja vor lauter Aufnahmeanträgen nicht mehr zur Pressearbeit um uns die womöglich phänomenalen Zuwächse mitzuteilen. Die Zeit wird es zeigen – garantiert!

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